Gurte, Vorderzeuge & Schweifriemen

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Funktion, Wirkung & Anwendung

Gurte, Vorderzeuge & Schweifriemen

 

Ganz gleich mit welchem Ausrüstungs-Gegenstand Sie es zu tun haben, überprüfen Sie immer, ob er auch wirkt und wie er genau wirkt. Ist ein Vorderzeug zu locker geschnallt, dann kann man es auch gleich weglassen, denn er erfüllt seinen Zweck nicht. Es soll den Sattel in seiner Lage halten und verhindern, dass er nach hinten rutscht.

Bei manchen Pferden mit einer suboptimalen Sattellage ist es sinnvoll, ein Vorderzeug zu verwenden und natürlich auch, wenn man viel in steilem Gelände reitet. Bei Pferden mit wenig Widerrist und Schultermuskulatur kann der Sattel nach vorn rutschen, besonders bei Geländeritten in hügeligem Gelände kann das sehr unangenehm werden. Ein Schweifriemen könnte da eine Lösung sein, um den Sattel in Position zu halten - doch ist dies keine Pauschalempfehlen. Alles sollte nach Funktion und Wirkung beim individuellen Pferd-Reiter-Paar überprüft und entsprechend angewendet werden - oder auch nicht.

 

Problemzonen bleiben – das Beste draus machen

Zwar kann die Nutzung von Ausrüstung mit anderen  Formen oder Materialien manchmal optimiert werden, die  körperlichen Grundstrukturen oder auch pathologischen Gegebenheiten vom Pferd blieben aber prinzipiell erhalten und müssen auch weiterhin beachtet  werden. Beispiel: ein Pferd, dessen Gurtlage sehr weit vorne direkt hinter dem Ellbogen liegt (ist vom Körper vorgegeben, etwas durch Bauchumfang bzw. Training und Fütterung beeinflussbar), scheuert sich hier eventuell bei längeren Ritten durch den Dauerkontakt am Gurt oder durch entstandene Hautfalten auf. Zahlreiche unterschiedliche Formen und Materialien von Sattelgurten sind hier häufig vom Besitzer auszuprobieren, eher er genau den findet, der ein Aufscheuern verhindert. Ob es ein Leder-Mondgurt, Lammfell- oder Alpacagurt ist – eine Grundregel für alle Pferde gibt es nicht. Jedes Pferd weist da andere Empfindlichkeit auf. Der mitdenken Besitzer weiß hier nach einiger Zeit selbst am besten, was bei seinem Pferd funktional ist und was nicht.

 

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1. Der Sattelgurt – Funktion & Beschaffenheit

2. Vorderzeuge - wann Sie nötig sind

3. Schweifriemen – wann Sie nötig oder hilfreich sind

4. Hintergurt – Funktion und Wirkung

 

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1. Der Sattelgurt


Funktion

Der Gurt hat den Zweck, den Sattel auf dem Pferd zu fixieren.

Osteo-Sattel-Tipp

• Nicht übergurten:

Dieses Pferd hat eine ungünstige Gurtlage, direkt hinter dem Ellbogen. Hier muss man darauf achten, dass der Gurt nicht scheuert, zu viele Hautfalten wirft oder drückt. Das Lammfell kommt hier vom Pferd weg.Der Gurt dient nicht dazu, den Sattel „am Ort“ zu halten. Die Lage des Sattels auf dem individuellen Pferderücken wird von der Baumform und der Sattelunterlage beeinflusst. Ein rutschender Sattel sollte nicht durch extrem festes Gurten daran gehindert werden. Hier sollte die Ursache des Rutschens geklärt und Lösungen gefunden werden. (siehe auch Einstiegstext oben).

Wird zu fest gegurtet, so wird der Sattel bei einer 7/8 Gurtringposition mit den vorderen Enden der Bars zu fest gegen die darunter liegenden Muskelgruppen, besonders den Trapezmuskel, gepresst. Es kann zu trockene Hautstellen im Schweißbild und sogar zu Satteldruck führen. Manche Sattelgurte haben Ringe aus vernickeltem Eisen, das kann rosten und Scheuerstellen verursachen, Kontrolle und Pflege sind hier wichtig. Zu festes Gurten kann im Pferd auch Gurtzwang entwickeln.

• Gurtzwang:

Bei dieser Gurtlage, nah am Ellbogen, empfiehlt sich vielleicht ein schmalerer Gurt - hier ein Ledergurt mit breiter Auflage am Brustbein.„Stellt man sich den Rumpf des Pferdes mit seinen verschiedenen Muskelgruppen vor, so hat dessen „Einrahmung“ zwischen Sattel und Gurtung immer dann ein gewisses Potential der Einzwängung, wenn zu plötzlich zu fest angegurtet wird.“, erklärt Osteopathin Rika Kreinberg.

„Zahlreiche Pferde mit Gurtzwang, die mir bei meinen Sattelterminen begegnen belegen, dass dieser Fehler nicht selten ist. Hat ein Pferd sich erst einmal solch eine Verspannungsreaktion angewöhnt, so kann sich das zu einem dauerhaften Verhaltensmuster festigen. Wird jedoch behutsam und in Etappen gegurtet (siehe Artikel hier), so sollte es keine Probleme geben, ganz gleich, welcher Gurt verwendet wird.
ausführlichen Artikel dazu lesen Sie hier.

Faltenbildung sollte vermieden werden, was bei einer ungünstigen Gurtlage wie hier eine Herausforderung sein kann.• Druckverteilung am Brustbein des Pferdes

Der Sattelgurt liegt auf den Brustmuskeln sowie auf dem Brustbein. Im Regelfall scheint eine breite Auflagefläche des Gurtes auf dem Brustbein als druckverteilender als eine schmalere zu sein. Hier können wir aus den Erfahrungen der Arbeitsreitweisen lernen.

Gurte mit Strängen aus Mohair- oder Alpaca-Wolle beispielsweise haben sich über Generationen bewährt. Sie sind atmungsaktiv, nehmen Schweiß auf und sind leicht zu reinigen. Solche Gurte werden unter dem Bauch des Pferdes breiter und der mittlere Verbindungssteg des Gurtes liegt direkt unter dem Brustbein und verteilt den Druck dort gut. An diesem Mittelsteg sind Ringe für ein Vorderzeuge oder einen Hintergurt angebracht. Der Markt bietet zahlreiche verschiedene Gurte, atmungsaktiv und breit in der Auflage am Brustbein ist bei der Wahl sicher empfehelnswert.

 

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2. Vorderzeuge – und wann Sie nötig sind


Ob Flachland im Norden oder Berge im Süden – Reiten mit einem Vorderzeug am Sattel kann in beiden Regionen sinnvoll sein – je nach Pferd und dessen Nutzung.

 

• Fürs Bergaufreiten – wenig gurten

Das Vorderzeug kann dazu dienen, den Sattel beim Bergaufreiten in anspruchsvollem Gelände daran zu hindern, auf dem Rücken des Pferdes zu weit nach hinten zu rutschen. Mit einem Vorderzeug kann der Reiter den Sattel in angemessenem Druck gurten und ist dennoch sicher vor einem Verrutschen. Der Sattelgurt sollte niemals zu fest gegurtet werden, in der Hoffnung, dass der Sattel dann bergauf besser hält. Verwenden Sie lieber ein funktional gut geformtes, passendes Vorderzeug und übergurten Sie Ihr Pferd nicht.

• Um seitliches Rutschen zu verhindern

Auf breitrückigen, stabilen, barocken Pferdetypen, die einen eher herzförmigen Rücken mit einer Rinne über der Wirbelsäule haben, die kaum Widerrist und eine schwach ausgeprägte Sattellage haben, liegt ein Sattel selten stabil. Schon beim Aufsteigen kommt der Sattel dem Reiter entgegen und auch in der Bewegung, vor allem in Wendungen wo Fliehkräfte herrschen, verrutscht er regelmäßig. Der Sattel kann in höheren Gangarten in Wendungen sogar komplett auf seitlich verrutschen, sodass der Reiter stürzt.

Ein hochgeschnittenes Vorderzeug kann bei solchen Pferden ohne ausgeprägter Sattellange (oft bei Haflinger-typischen alten Pferdetypen zu finden) für eine ruhigere Lage und mehr Sicherheit und risikofreies Reiten sorgen. Eine solche Rückenform kann man nicht verändern. Passt der Sattelbaum gut zum Pferd und rutscht dennoch, bietet ein Vorderzeug eine Lösung des Problems.

Das Vorderzeug sollte so verschnallt sein, dass das Pferd in der Bewegung nicht gestört wird, der Sattel aber in seiner Position bleibt. Dabei auch die Halshaltung zu berücksichtigen.

 

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3. Schweifriemen – wann Sie nötig oder hilfreich sind

 

Bei Westernsätteln ist die Verwendung von Schweifriemen nicht vorgesehen, es gibt dafür keine Befestigungsmöglichkeit. In den USA werden spezielle Wanderreit- und Trail-Westernsättel für das Reiten in schwierigem Gelände hergestellt. Diese Sättel haben solche Möglichkeiten. Wer bei einem der gängigen Westernsättel dennoch einen Schweifriemen verwenden möchte, der müsste nachträglich beim Sattler dafür eine entsprechende Befestigungsmöglichkeit anbringen lassen.

Die Verwendung eines Schweifriemens ist immer dann angebracht, wenn man regelmäßig in sehr steilem Gelände reitet und ein Pferd mit wenig Widerrist und eine wenig ausgeprägte Sattellage hat. Es müsste zunächst ohne Reiter im Sattel an einen lose angelegten Schweifriemen gewöhnt werden. Erst wenn es nach mehrmaliger Nutzung locker und zufrieden damit läuft, sollte man damit reiten. Trägt das Pferd auch nach angemessener Eingewöhnungsphase beim Reiten die Schweifrübe höher, schwingt nicht mehr und hält sich fest, dann ist die Nutzung eines Schweifriemens (Croupers) bei diesem Pferd zu überdenken. Das sind einige Bespiele, wie man mit der entsprechend funktional richtig angewendeten Ausrüstung Probleme vermeiden kann und bessere Ergebnisse erzielt.

 

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4. Hintergurt – Funktion und Wirkung


Bei manchen Westernsätteln ist ein hinterer Bauchgurt angebracht. Bei Roping- und Ranchsätteln ist das auch zweckmäßig, denn der lose verschnallte Hintergurt soll das Hochkippen des hinteren Sattelteils verhindern, wenn mit dem Lasso beim Roping Druck auf das Horn ausgeübt wird. Diese Sättel haben den vorderen Gurt häufig in Full-Dubble oder 7/8 Position. Wenn ein Hintergurt verwendet wird, soll er so verschnallt sein, das ein bis zwei flache Hände zwischen Gurt und Pferdebauch passen. Wer kein schweres Roping mit seinem Pferd praktizieren will, für den macht ein Hintergurt keinen Sinn, er mach nur das Satteln unbequemer und den Sattel schwerer.

Ein hinterer bauchgurt muss in angegurtetem Zustand immer mit einem Verbindungsriemen mit dem vorderen Gurt verbunden sein. Beim Sattel wird zunächst der Vordergurt angezogen, dann der Hintergurt verschnallt, beim Absatteln ist die Reihenfolge umgekehrt. Sollte das Pferd sich beim Gurten bewegen, und der Hintergurt ist fixiert, der vordere aber nicht, so kann der Sattel leicht unter den Bauch des Pferd rutschen, was zu einer Panikreaktion führen kann. Pferde, die noch nicht mit einem Hintergurt geritten wurden, müssen erst ohne Reiter im Sattel an der Hand behutsam mit dem Hintergurt vertraut gemacht werden. Versäumt man das, so ist das Risiko sehr hoch, dass das Pferd bei Gurtberührung zu bocken beginnt.

Viele Westernsättel haben den hinteren Ring für den Hitergrurt nur noch als Zierde und er wird ohne Gurt verwendet; er hat keine funktionale Bedeutung mehr. 

 

 

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